Landschaftsanalyse für das Projekt „Klimalandschaft Wolfenbüttel“
Der Landkreis Wolfenbüttel im südöstlichen Niedersachsen ist geprägt von landwirtschaftlicher Nutzung und bekommt die Folgen des Klimawandels immer stärker zu spüren. Starkregenereignisse und Überschwemmungen nehmen zu, Böden werden abgeschwemmt. Besonders betroffen sind dabei Hanglagen unterhalb von Hügelkuppen, wo Wasser wild abfließt und dadurch den terrestrischen Ökosystemen nicht mehr zu Verfügung steht sowie zu Bodenerosion führt.
Hier setzt das Projekt „Klimalandschaft Wolfenbüttel“ mit dem Ziel an, den Landkreis zu einer Modellregion für eine klimaangepasste und nachhaltige Agrarlandschaft zu entwickeln. Durch die Integration von Agroforstsystemen auf landwirtschaftlichen und kommunalen Flächen soll die Resilienz gegenüber Klimawandelfolgen gestärkt werden. Der Fokus liegt dabei auf der hydrologischen Optimierung von landwirtschaftlich genutzten Flächen, indem durch die Etablierung von Strukturelementen Wasser zurückgehalten und verteilt wird.
Um gezielt dort anzusetzen, wo der Handlungsbedarf am größten ist, haben wir vergangenes Jahr eine umfassende Landschafts-Analyse durchgeführt. Insgesamt wurde mit dem gesamten Landkreis rund 72.000 Hektar Fläche untersucht. Dabei flossen zahlreiche Faktoren ein: Neben Landnutzung, Flächenplanung und entsprechenden Vorranggebieten flossen von topografischen Merkmalen über Bodeneigenschaften bis hin zu hydrologischen, klimatischen und biodiversitätsbezogenen Daten ein. Besonders wichtig war die Bewertung des sogenannten Gefährdungspotentials für Wassererosion auf Ackerflächen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie dringend Maßnahmen nötig sind: Auf etwa 70 Prozent der Ackerflächen im Landkreis besteht eine hohe bis extrem hohe Gefahr von Bodenerosion.
Mithilfe von topographischen Informationen zu Wasserscheiden sowie zu Fließwegen und -richtungen des Oberflächenwassers konnten daraufhin besonders gefährdete Bereiche abgegrenzt werden. In dem multifaktoriellen Ansatz wurden zusätzlich fördernde und hemmende Rahmenbedingungen für die Anlage von Agroforstsystemen berücksichtigt. Ein hohes Potenzial weisen unter anderem bestehende und geplante Biotopverbundstrukturen, nitratbelastete oder vegetationsarme Flächen auf. Als Ausschlusskriterien für die Etablierung von Gehölzstrukturen wurden Überflutungsgebiete, geplante Bauvorhaben (Windkraft- oder Freiflächen-Photovoltaikprojekte) sowie schwermetallbelastete Böden einbezogen. Auf diese Weise entstand ein differenziertes Bild darüber, wo Agroforstsysteme wirksam und realistisch umgesetzt werden können.
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So konnten durch die umfassende Analyse 18 sogenannte Hotspots (Areas of interest) im Landkreis identifiziert werden, die zusammen über 20.000 ha Ackerland umfassen. Diese Hotspots beschreiben Areale, die einerseits ein hohes Erosionsrisiko auf vergleichsweiser kleiner Fläche bündeln und andererseits besonderes Potenzial für die positiven Umweltwirkungen durch Agroforstsystemen aufweisen. Diese Hotspots wurden dadurch charakterisiert und daraufhin anhand von 2 Prioritätsstufen differenziert. Die Ergebnisse dienen nun als wichtige Grundlage der Netzwerkarbeit und zukünftigen Planungen für dezentrales Wassermanagement im Landkreis Wolfenbüttel.
Link zum Projekt: https://klimalandschaft-wolfenbuettel.de/

